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Freitag, 28.04.2017

Technik News

Mittwoch 12.03.2014

MXC-Kabel überträgt 800 Gbit/s - Erste Kabel noch 2014 auf dem Markt

Bereits seit einigen Jahren entwickelt Intel in Kooperation mit dem Spezialglashersteller Corning "Silicon Photonics", ein Glasfaserkabel, bei dem Photonen die Datenübertragung übernehmen. Aktuell erreichen die Entwickler damit...[mehr]

Mittwoch 19.02.2014

Flächendeckender Breitbandausbau erfordert deutlich geringere Investitionen als bisher angenommen

Zu diesem Ergebnis kommt eine heute veröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Statt der bisher prognostizierten 93 Milliarden Euro wäre nach den Modellrechnungen...[mehr]

Mittwoch 19.02.2014

G.fast Standard verspricht Datenübertragungsraten bis zu 1 Gbit/s

Während der Glasfaserausbau vielerorts aufgrund der hohen Kosten nur langsam voranschreitet, arbeiten Alcatel-Lucent und Huawei intensiv an der Standardisierung von G.fast. Der neue Standard nutzt vorhandene Kupferkabelnetze,...[mehr]

VDSL2 Vectoring - Doping für DSL

In den letzten Wochen wurde häufig von einer Art Turbo-DSL berichtet, welches der Österreichische Netzbetreiber A1, die Tochtergesellschaft der Telekom Austria Group, dieser Tage im Pilotbetrieb testet. Gemeinsam mit Alcatel-Lucent soll damit der weltweit erste Betrieb einer neuen DSL-Technologie gestartet werden: dem Vectoring.

Zunächst: im April 2010 meldete Bell Labs, die Forschungsabteilung des französisch-amerikanischen Telekommunikations- und Netzwerkausrüstungsunternehmens Alcatel-Lucent, erste Testergebnisse. Über herkömmliche Festnetzleitungen konnten DSL-Geschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde über VDSL2 erreicht werden. Über einen sogenannten Phantommodus wurden diese Downloadraten über Distanzen von bis zu 400 Metern erzielt; bei 1000 Metern lag die messbare Bandreite immerhin noch bei 100 Megabit pro Sekunde. Damit, so das Unternehmen, wäre eine grundsätzlich technische Nutzung der alten DSL-Leitungen über die bisher beziehbaren maximalen Bandbreiten hinaus gegeben und sowohl Unternehmenslösungen als auch Triple Play Angebote nachhaltig realisierbar. Möglich wurden diese Ergebnisse durch eine Kombination verschiedener Technologien: Vectoring, Bonding und Phantom-Mode.

Mit Blick auf die Verbreitung und nahezu flächendeckende Verfügbarkeit von Festnetzanschlüssen, könnte diese Turbo DSL Turbo Methode neben dem aktiven Ausbau von VDSL, bestehender Koaxialnetze und der durch die Bundesregierung forcierten LTE-Erschließung eine weitere bestehende Infrastruktur nutzen, um den NGA-Ausbau kostengünstig voranzutreiben. Ist jedoch eine Umsetzung hierzulande realistisch? Welchen Stellenwert hat diese Technologie knapp 2 Jahre nach der Meldung durch Alcatel-Lucent?

 

Vectoring, Bonding und Phantom Mode

Wie in den Artikeln von FTT-X.NET bereits beschrieben, nutzt die DSL-Technologie die seit Jahrzenten in Deutschland verlegte TAL, also Kupferdoppeladern. Der Zustand und die Eigenschaften dieser mitunter 60 Jahre alten Kabelanlagen lassen die DSL-Technologie schnell an ihre Grenzen kommen. Nun werden mittels neuer Methoden wie Phantom Mode, Vectoring- und Bonding-Verfahren kombiniert, die auftretenden Störungen (Dämpfungen, Interferenzen) entgegenwirken und herkömmliche DSL-Methoden bündeln. Beispielsweise nutzt der Phantom-Mode einen dritten virtuellen Kanal, den „Phantom-Kanal“, zur Datenübertragung. Auf jeder Kupferdoppelader lassen sich über 100 Megabit pro Sekunde übertragen. Auf dem dritten Phantom-Kanal ebenso, sodass sich mittels EFM-Bonding (EFM - Ethernet in the first mile) die einzelnen Datenströme additiv zusammenfassen lassen. Jedoch müssen hierfür 2 Kupferdoppeladern zum Anschluss führen. Beim Großteil der deutschen Haushalte liegt jedoch nur ein Aderpaar an.

Zur Eliminierung von Crosstalk-Effekten wird mit der Vectoring-Methode ein sehr komplexes Verfahren eingesetzt. Wie schon Stefaan Vanhastel, Direktor für Produkt Marketing bei Alcatel-Lucent Wireline Networks, erklärte, sind mittels DSL-Phantom-Mode und Vectoring Übertragungsraten bis zu 2 Gigabit pro Sekunde denkbar.

 

Filterung der destruktiven Interferenzen

Ziel der Vectoring-Methode ist zunächst das Entgegenwirken der durch die Leitungseigenschaften der TAL bedingten eingeschränkten Leitungslängen. Bereits ab 300 Meter Entfernung vom DSLAM zum eigentlichen Anschluss werden bei herkömmlichen VDSL-Varianten die hochfrequenten Signale durch Interferenzen eines Störeffektes parallel laufender Leitungen, das Übersprechen (Crosstalk), derart geschwächt, dass ein rapider Bandbreitenabfall die Folge ist. Mittels Vectoring wird der Crosstalk-Effekt weitestgehend „herausgefiltert“. Das Vectoringverfahren lässt sich mit dem bei Kopfhörern angewandten Verfahren der aktiven Geräuschunterdrückung vergleichen. Beim hierbei Anwendung findenden Antischallverfahren wird ebenfalls während der Übertragung ein Signal berechnet, welches die Umgebungsgeräusche kompensiert und damit die Übertragungskapazität der Leitungen spürbar erhöht. Um diese „destruktiven Interferenzen“ zu ermitteln, sind Berechnungen seitens des Netzbetreibers nötig, die in Echtzeit erfolgen müssen, da ja grundsätzlich die Art der Daten, welche die Kunden versenden/ empfangen dem Netzbetreiber unbekannt sind. Da damit die Signalinterferenzen vom KVz aus weitestgehend unterdrückt werden, sind nun auch nach 500 Metern Leitungslänge hochbitratige Anschlüsse realisierbar. In der Praxis gehen die Anbieter bei VDSL2-Anbindungen mit 50 Megabit pro Sekunde Bandbreite von einer Leitungslänge bis maximal 800 Metern aus.

 

Vorraussetzungen für einen Ausbau in Deutschland sind schwierig

Grundsätzlich könnte eine Migration zur Vectoring-Technologie recht rasch erfolgen, da die TAL in der Regel bereitsteht. Hunderttausende mit Outdoor-DSLAMs überbaute Kabelverzweiger müssten somit vectoringfähig gemacht werden. Für die Anbieter bedeutet dies Investitionen in Millionenhöhe. Setzt sich diese Technologie jedoch durch, wären mittelfristig Aus- und Neuinstallation der DSLAMs ein durchaus wirtschaftlicher Faktor, welcher gerade im ländlichen Raum einen hohen Mehrwert bringen kann. Mit Blick auf die heute vielerorts realisierten KVz-Glasfasererschließungen, scheint die Vectoring-Methode zusätzliche Kapazitäten freizulegen.

Einen Nachteil hat die Geschichte hierzulande doch. Durch die Echtzeitberechnung des Datenstromes funktioniert Vectoring nur, wenn die entsprechend aufgerüstete Technologie alle Signale der angeschlossenen Leitungen ‚beherrschen‘ und ‚überblicken‘ kann. Mangels Zugriff auf die Daten der ‚Mitbewerber‘, also anderer Telekommunikationsdienstbetreiber, fehlt dieser Überblick über den gesamten ein- und ausgehenden Nutzdatenstrom, womit die Entstörung scheitern würde.

Siehe auch: Turbo-DSL durch Vectoring